Gemeinunnütziger Schnickschnack

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Gemeinnützige Organisationen haben es schwer heutzutage: unzählige Non-Profits konkurrieren um die Gunst der edlen Spender — aber eben jenen sitzt das Geld bei Weitem nicht mehr so locker wie noch vor ein paar Jahren.

Dementsprechend einfallsreich sind die Extras, die den Bittbriefen beigelegt werden in der Hoffnung, damit des Spenders Herz zu erweichen, auf dass er reichlich geben möge. Von Adressaufklebern über Grußkarten bis zu Jahresplanern ist alles zu haben.

Ob derartiger Schnickschnack die Spendenwilligkeit der Adressaten tatsächlich erhöht, vermag ich nicht zu beurteilen. Zumindest dürften aber die Produktions-Kosten für derlei papierne Druckwaren noch halbwegs akzeptabel sein.

Werbe-Müll, mit Spenden finanziert

Bei dem “Präsent”, das vor einiger Zeit aus einem Brief des World Children’s Fund herausfiel, trifft genau das sicherlich nicht mehr zu: ein “Nähset”, bestehend aus Garn, Nadeln, Plastik-Fingerhut, Mini-Schere und Einfädler.

Was laut dem beiliegenden Brief als “Zeichen meiner Dankbarkeit” daherkommt — denn “Nichts auf der Welt könnte Ihre Barmherzigkeit aufwiegen.” –, ist nutzloser Ramsch der allerbilligsten Machart.

Dass dieser in Fernost gefertigt wurde, liegt angesichts der Qualität nicht nur nahe, sondern wird durch einen “Made in China”-Schriftzug ganz offiziell bestätigt.

Es hat schon einen seltsamen Beigeschmack, wenn eine Organisation, die sich dem Wohl der Kinder verschreibt, Produkte aus einem Land vertreibt, in dem Kinderarbeit — insbesondere auch bei der Herstellung solcher “Pfennigartikel” — traurige Alltagsrealität ist.

Wer sich ein Bild darüber verschaffen will, welchen Anteil der Spenden-Gelder der World Children’s Fund in diese Art von Marketing investiert, hat schlechte Karten. Eine öffentliche Antwort auf diese Frage bleibt die Organisation nämlich schuldig: Die Seite “Finanzielle Rechenschaft” auf der offiziellen Website bietet viel wohl-klingende Floskeln, aber keine handfesten Zahlen.

Laut FAQ sind diese Informationen immerhin auf Anfrage zu haben:

> Wenn Sie möchten, könnten wir Ihnen Informationen zu unserer Vision, unseren Programmen und darüber zusenden, wie wir die Spenden verwenden, die Sie uns für die bedürftigen Kinder zukommen lassen. Kontaktieren Sie uns und nennen Sie uns dabei Ihren vollständigen Namen und Ihre Adresse; wir werden Ihnen die Informationen dann zusenden.

Das klingt vielversprechend. Wie jedoch auf der Website von Charity Watch nachzulesen ist, bleibt es nur bei einem Versprechen:

> Eine Mailanfrage mit der Bitte um Übersendung des Jahresberichts wurde mit wenig aussagekräftigen Unterlagen beantwortet. Das anschließend mit der Office Managerin Tina Giove geführte Telefonat lieferte ebenfalls wenig erhellendes. So wurde zum Beispiel die Frage nach einer Einnahmen-Überschussrechnung und der Bilanz mit der Auskunft abgetan, diese unterliegen dem Geschäftsgeheimnis.

Auf der Website der britischen Charities Direct finden sich dann doch noch ein paar finanzielle Eckdaten zum britischen Ableger des World Children’s Fund. Danach werden satte 28.65% des Spendenaufkommens für Fundraising ausgegeben. Gemäß der Beratungs-Firma GuideStar Data Services liegt der Durchschnitt für diese Ausgaben (PDF 184kB) in Großbritannien bei weniger als der Hälfte, nämlich bei rund 14%.

Messbare Transparenz statt hehrer Worte

Ein Beispiel dafür, wieviel Transparenz man als Unterstützer durchaus erwarten kann, zeigt SOS Kinderdorf: Ganz ohne umständliche persönliche Anfrage ist der vollständige und ausführliche Jahresbericht für jedermann direkt zugänglich.

Somit kann man sich selbst ein klares Bild davon machen, was mit dem gespendeten Geld — bei SOS Kinderdorf immerhin fast 120 Millionen Euro in 2009! — geschieht und wieviel davon insbesondere für Marketing-Maßnahmen verbrannt wird.

Eigentlich sollte man World Children’s Fund dankbar sein. Dankbar dafür, dass ihre aufwendigen Präsente schon ein Hinweis auf vermutlich unverhältnismäßig hohe Ausgaben für Werbung sind. Es wäre natürlich schön, wenn sich diese Befürchtung dank harter Zahlen widerlegen ließe. Aber: siehe oben!

Nicht immer jedoch ist der Zaunpfahl, mit dem zweifelhafte Non-Profits winken, so groß. Also was tun, wenn die Bitte um Geldzuwendung subtiler ausfällt? Wie lässt sich herausfinden, ob eine Organisation des Spenders Vertrauen verdient?

Drum prüfe…

Zwei wertvolle und hilfreiche Ressourcen stellen die Websites des DZI Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen sowie von Charity Watch dar.

Charity Watch verwaltet eine umfassende Datenbank mit Informationen zu zahlreichen Hilfsorganisationen. Bevor man auf ein Spendengesuch eingeht, lässt sich auf dieser Website schnell und einfach recherchieren, ob die entsprechende Organisation vertrauenswürdig ist oder nicht.

Das DZI gibt einen alljährlichen Spenden-Almanach heraus und vergibt ein Spenden-Siegel an Hilfsorganisationen, die bestimmte Anforderungen an finanzielle Transparenz und Mittelverwendung erfüllen. Während der Almanach gegen eine kleine Gebühr zu bestellen ist, kann die Liste der mit dem Siegel ausgezeichneten Organisationen online eingesehen werden.

Ach übrigens: Zum World Children’s Fund hat das DZI in einer Presseerklärung vom Dezember 2010 (PDF 44kB) klar Stellung genommen — und ausdrücklich vor dieser Organisation gewarnt.

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2 Readers have commented on this article:

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  1. Inga Pahle

    Das oben im Artikel genannte Internet-Portal Charitywatch lügt nachweislich.

    Dessen Betreiber Stefan Loipfinger lügt nachweislich.

    Zum Thema “Charitywatch lügt” gibt es drei eigene Homepages:

    http://www.sage-die-wahrheit.de http://www.mediaimagine.de/blog

    www.http://stefanloipfingerluegt.wordpress.com/2011/01/06/stefan-loipfinger-erneut-der-luge-uberfuhrt/ (Mein Blog, noch weniger Umfangreich als die anderen)

    Schaut hier unbedingt mal rein. Das ist heftig, was da alles über Stefan Loipfingers dunkle Machenschaften und Charitywatch.de enthüllt wird.

    Wer weitere Beweise zum Thema “Charitywatch lügt nachweislich” hat, möge sich bitte bei einer der Homepages melden.

    Danke

    Inga Pahle

  2. Jochen Wolters

    Man braucht nicht lange im Netz zu suchen, um Kommentare wie den obigen — meist sogar mit identischem Wortlaut — auf mehreren Seiten zu finden, die sich mit Charity Watch befassen.

    Hinter den beiden zuerst genannten Blogs stecken jedoch Einzelpersonen, die von Charity Watch scharf kritisiert werden. Folglich haben beide Blogs mit objektiver Berichterstattung “eher wenig” zu tun. Der dritte Link führt gleich zu einer Fehlermeldung von wordpress.com, dass der zugehörige Blog mittlerweile gelöscht worden sei.

    Möge sich also jeder selbst seine Gedanken dazu machen, was von Frau Pahles Kommentar zu halten ist. Einen Grund, meine Kritik an World Children’s Fund in irgendeiner Weise zu revidieren, sehe ich darin definitiv nicht.